Einfache Sprache ist patientenzentrierte Sprache
Die Einfache Sprache ähnelt unserer Alltagssprache und eignet sich, um Fachtexte an die Lesekompetenz breiter Bevölkerungsgruppen anzupassen. Feste Regeln hat sie zwar nicht, es lassen sich aber einige Grundsätze festmachen.
1. Übersichtliche Textstruktur
Ein gut strukturierter Text fördert die Lesbarkeit sowie die Leselust und ermöglicht es, wichtige Inhalte zu betonen. Daher:
- Text logisch aufbauen und in kleine Absätze untergliedern
- Zwischenüberschriften und Hervorhebungen einbauen
2. Kurze, einfach aufgebaute Sätze
Wenn nur wenige Wörter zu verstehen sind und die Struktur des Satzes den gewohnten Regeln folgt, bleiben Leser:innen länger beim Thema und können die Schlüsselinformationen schneller erfassen. Daher:
- die Satzlänge auf 10-15 Wörter beschränken
- möglichst die Reihenfolge „Subjekt – Verb – Objekt“ einhalten
- Schachtelsätze vermeiden
Beispiel: „Bei der Visite wird die Ärztin von einer unserer Pflegekräfte, die über langjährige Erfahrung in der Betreuung von älteren Menschen verfügen, begleitet.“
Besser: „Unsere erfahrenen Pflegekräfte begleiten die Ärztin bei der Visite.“
3. Kurze, verständliche Wörter
Fach- und Fremdwörter schrecken ab und machen einen Text „unnahbar“. Dagegen transportieren kurze, alltägliche Wörter die gewünschte Botschaft einfach und direkt. Daher:
- Fremdwörter und Fachwörter ersetzen oder erklären
Beispiel: „Der Patient erhält eine präoperative Anästhesie.“
Besser: „Der Patient wird vor der Operation betäubt.“
- Zusammengesetzte Wörter möglichst lösen oder Bindestriche setzen (sofern üblich)
Beispiel: „Herzkatheteruntersuchung“
Besser: „Herzkatheter-Untersuchung“
- Abkürzungen ausschreiben oder erklären
Beispiel: „Der größte Risikofaktor für COPD ist das Rauchen.“
Besser: „Der größte Risikofaktor für die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist das Rauchen.“
4. Einfache Formen – aktive Sprachkonstruktionen
Passive Konstruktionen können die Leser:innen verwirren, indem sie Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten verschleiern. Dasselbe gilt für Genitiv und Konjunktiv, da sie oft komplexere Satzstrukturen erfordern, die die Verständlichkeit des Textes beeinträchtigen können.
- Beispiel: „Der betroffenen Person wird zunächst Blut abgenommen.“
Besser: „Die Pflegekraft nimmt der betroffenen Person zunächst Blut ab.“ Genitiv und Konjunktiv sparsam einsetzen - Beispiel: „Es wäre wichtig, die Ursache der Erkrankung zu kennen.“
Besser: „Es ist wichtig zu wissen, was die Erkrankung verursacht.“
Leichte Sprache – für Barrierefreiheit im Internet
Nicht zu verwechseln ist die Einfache Sprache mit der Leichten Sprache, die speziell für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung oder Lernschwierigkeiten entwickelt wurde. Sie soll die Barrierefreiheit im Internet fördern und die inklusive Kommunikation unterstützen. Leichte Sprache wird bislang vor allem von Regierungen, Behörden und öffentlichen Einrichtungen für Informationen über Rechte, Vorschriften, Formulare und Anträge verwendet. Auch einige Krankenhäuser, Kliniken, Arztpraxen und medizinische Einrichtungen nutzen sie z. B. in Flyern, Patientenbroschüren sowie Anweisungen zur Medikamenteneinnahme.
Leichte Sprache verfügt über ein festes Regelwerk in puncto Grammatik, Satzbau und Gestaltung. Sie lässt sich also nicht einfach aus dem Ärmel schütteln! Die jeweiligen Texte werden von Expert:innen regelrecht übersetzt und von offiziellen Tester:innen mit Lernschwierigkeiten geprüft. Als Übersetzungen in Leichte Sprache gekennzeichnet werden sie als alternative Version angeboten.
Ob einfach oder leicht: Die Anwendung verständlicher Sprachformen ist ein entscheidender Schritt, um Kommunikationsbarrieren abzubauen und Kenntnisse rund um die Gesundheit zu vermitteln. Speziell In der Klinikkommunikation trägt die Einfache Sprache dazu bei, einen sympathischen Eindruck des jeweiligen Hauses zu erwecken und sie fördert das Gefühl: Hier versteht man mich, hier wäre ich gut aufgehoben.
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Dr. Felix Remy
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