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Die Klinik als Pop-up-Store – Recruiting in der Fußgängerzone

November 2024, Annastraße Augsburg: Zwischen Boutiquen und Cafés eröffnet plötzlich ein Pop-up-Store der besonderen Art. Keine Mode, keine Technik, kein Streetfood – sondern Universitätsmedizin zum Anfassen. Welche Idee hinter dem „Career Camp“ des Universitätsklinikums Augsburg (UKA) steckt und wie das Format aufgenommen wurde, erzählt uns Richard Goerlich, Leitung Unternehmenskommunikation, Öffentlichkeitsarbeit & Marketing am UKA.

UKA Pop-up-store

Herr Goerlich, ein Pop-up-Store als Klinik – wie kam es zu dieser ungewöhnlichen Idee?

Goerlich: Wir sind jetzt seit einigen Jahren Universitätsklinikum, doch viele verbinden mit uns noch das Bild des kommunalen Zentralklinikums. Dabei hat sich mit der Uniklinik-Wendung so viel getan: neue Forschungsfelder, neue Technologien, neue Strukturen sind entstanden. Genau das wollten wir sichtbar machen. Die Frage war also: Wie können wir diese Entwicklung nach außen tragen?
Ein klassischer Tag der offenen Tür schien uns dafür nicht das richtige Format. Wir wollten einen disruptiven Ansatz: Statt Menschen ins Krankenhaus einzuladen – einen Ort, der für viele mit belastenden Assoziationen verbunden ist – wollten wir sie dort auffangen, wo sie entspannt, offen und neugierig sind. Ein Pop-up-Store in der Augsburger Innenstadt erschien uns als idealer Raum dafür: frei von Vorbehalten, mitten im Alltag der Menschen und niedrigschwellig zugänglich. So entstand die Idee des UKA Career Camps.

 
Für alle, die das UKA Career Camp nicht live erlebt haben: Was genau erwartete die Besucherinnen und Besucher dort?

Goerlich: Der Store war den gesamten November über geöffnet und bot täglich ein neues Programm – auch samstags und sonntags. Es gab zum Beispiel Vorträge und Live-Demonstrationen, in denen innovative Forschungsansätze und Technologien vorgestellt wurden. In unseren medizinischen Sonntagsmatinées präsentierten die „Koryphäen“ des UKAs spitzenmedizinische Themen – verständlich, nahbar und immer mit der Möglichkeit, im Anschluss Fragen zu stellen.
Doch es blieb nicht nur beim Zuschauen. Viele Formate luden zum Mittmachen ein. Besonders beliebt war das Teddybärkrankenhaus, in dem Studierende der Medizinischen Fakultät mit Kindern einen Arztbesuch nachstellten – inklusive Röntgen, Teddybären-OP und Apotheke. So wurde universitäre Medizin für Groß und Klein spielerisch und ganz unmittelbar erlebbar.

 
Das klingt nach einem großen, vielseitigen Projekt – aber auch nach viel organisatorischem und personellem Aufwand. Wie ließ sich das im herausfordernden Klinikalltag umsetzen?

Goerlich: Die Basis bildete unser Team aus der Kommunikationsabteilung, das vier Wochen lang täglich vor Ort war. Zusätzlich haben uns Studierende unterstützt. Die Fachkliniken und Ambulanzen selbst waren nur für bestimmte Aktionstage eingebunden, meist für jeweils ein oder zwei Tage. So ließ sich der Aufwand gut steuern, ohne den Klinikbetrieb zu belasten.

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Der Name „Career Camp“ verrät schon, dass es Ihnen auch um Arbeitgeberattraktivität ging. Wie gut hat dieses Format aus Ihrer Sicht funktioniert, um Menschen für eine Mitarbeit am UKA zu begeistern?

Goerlich: Sehr gut! Dieses Format wirkt über Inhalte, über Emotionen und über authentische Begegnungen – und genau daraus entsteht ein positives Bild vom Uniklinikum, ganz ohne, dass wir klassische Werbebotschaften bemühen müssen. Menschen erleben uns und unsere Begeisterung unmittelbar und spüren, wofür wir stehen.
Hinzu kommt: Man lernt medizinisches Personal, von der Pflegekraft bis zum Professor, einmal völlig ‚out of context' kennen – also außerhalb des Klinikbetriebs, ohne weiße Kittel, ohne Zeitdruck. Dadurch entsteht eine Nähe, die sich mit herkömmlicher Kommunikation nicht erzeugen lässt.

 
Hat sich das auch in den Bewerbungszahlen bemerkbar gemacht?

Goerlich: Mittelfristig, auf jeden Fall. Wir hatten vor Ort verschiedene Bewerbungsmöglichkeiten. Interessierte konnten direkt im Store oder online innerhalb weniger Minuten ein kurzes Bewerbungsformular ausfüllen. Zusätzlich gab es die Möglichkeit, ein Videostatement aufzunehmen. Diese Angebote wurden tatsächlich sehr gut genutzt, was uns natürlich unheimlich gefreut hat.

 
Gab es weitere Effekte, die direkt auf den Pop-up-Store zurückzuführen sind?

Goerlich: Unsere Social-Media-Sichtbarkeit ist während dieser Zeit massiv gestiegen – das war wirklich beeindruckend. Wir haben gelernt, wie wirksam die Kombination aus Live-Erlebnis vor Ort und Social Media ist.
Außerdem gab es auch einen starken internen Effekt, mit dem wir in dieser Intensität gar nicht gerechnet hatten: Mitarbeitende aus ganz unterschiedlichen Bereichen sind zusammengekommen, haben gemeinsam geplant, gestaltet, ausprobiert. Dieses Miteinander hat eine unheimliche Energie erzeugt. Viele waren sichtbar stolz, Teil des Projekts und Teil des UKAs zu sein. Das ist so viel wert.

 

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