Was bedeuten KI-generierte Bilder für die Healthcare-Kommunikation?

Ob Klinik-Website, Patientenbroschüre oder Pharma-Kampagne: KI-generierte Bilder halten Einzug in die Gesundheitskommunikation. Sie sind schnell verfügbar und liefern eine Bildvielfalt, die früher nur mit aufwendigen Castings und Shootings möglich war. Doch gerade im Gesundheitswesen – wo Vertrauen die wichtigste Währung ist – wirft der Einsatz von KI-Bildern Fragen auf, die weit über gestalterische Vorlieben hinausgehen.

Der rechtliche Rahmen wird konkret

Ab dem 2. August 2026 ist Artikel 50 der EU-KI-Verordnung (KI-VO) offiziell in Kraft: Wer KI-generierte oder KI-bearbeitete Bilder professionell nutzt und veröffentlicht, muss dies deutlich machen, sofern die Aufnahmen täuschend real wirken. Wichtig: Anders als für Texte gilt hier ausnahmslos die Offenlegungspflicht, die sogenannte „redaktionelle Kontrolle“ greift nicht. Das heißt: Auch wenn ein KI-generiertes Bild vor der Veröffentlichung von einem Menschen geprüft wurde, muss es als solches gekennzeichnet werden.

Wie kennzeichnet man ein KI-generiertes „Patientenbild“ rechtssicher, ohne dass es wie ein Fremdkörper im Layout wirkt?

Für die Gestaltung stellt sich die Frage der richtigen Kennzeichnung auch als ästhetisches Problem. Die Antwort liegt im Detail: Der Hinweis muss klar erkennbar sein und darf nicht im Layout untergehen – ein einfacher, gut lesbarer Text wie „KI-generiertes Bild“ direkt am oder unter dem Bild reicht rechtlich aus. Ein Icon ist nicht vorgeschrieben, kann aber zusätzlich Orientierung geben: Die EU-Kommission stellt dafür offizielle, frei nutzbare EU-Icons zur Kennzeichnung von KI-Inhalten zur Verfügung. Entscheidend sind in jedem Fall ausreichender Kontrast, eine lesbare Schriftgröße und eine Position, die beim ersten Blick auffällt, statt in einer Bildunterschrift oder Fußzeile zu verschwinden. Am folgenden Beispiel zeigen wir, wie das im Layout konkret aussehen kann:

Sieht aus wie ein klassisches Stockfoto, ist aber keins: Oma und Katze gab es so nie – beide sind komplett KI-generiert. Genau deshalb steht unten rechts das offizielle EU-Icon „AI-generated“: gut sichtbar.

Gegenbeispiel: Auch komplett KI-generiert und fotorealistisch gerendert – trotzdem keine Kennzeichnungspflicht. Warum? Niemand hält eine Frau, die größer ist als ein toskanisches Tal, für eine reale Aufnahme. Fotorealistischer Stil allein macht also noch kein Deepfake – erst die glaubhafte, physikalisch plausible Situation tut das.

Vertrauen ist die Kernwährung im Gesundheitswesen

Anders als bei einem Möbelstück oder einer Mode-Kampagne wiegt eine „gefälschte Authentizität“ im Gesundheitskontext besonders schwer. Patient:innen treffen auf Basis von Kommunikation mitunter existenzielle Entscheidungen. Zeigt zum Beispiel eine Klinik eine KI-generierte „Erfolgsgeschichte“ oder ein KI-Vorher-Nachher-Bild, ohne dass dies erkennbar ist, steht im schlimmsten Fall die Glaubwürdigkeit der gesamten Einrichtung auf dem Spiel.

Die Kehrseite: Transparente Kennzeichnung kann selbst zum Vertrauenssignal werden. Wer offen sagt „dieses Bild ist KI-generiert, echte echte Patientenbilder sehen Sie hier“, wirkt ehrlicher als jemand, der KI-Content unkommentiert als Realität verkauft.

Besonders zugespitzt zeigt sich das bei sensiblen Themen wie Krankheit, Leiden oder Sterben: Hier verlangt jede Bildsprache Fingerspitzengefühl. Kann ein KI-generiertes Bild die Wirkung eines echten, dokumentarischen Fotos ersetzen, wenn es um das Leid realer Menschen geht – oder wirkt es unweigerlich unpassend, weil Betrachter:innen unbewusst spüren, dass niemand das wirklich durchlebt hat? Genau hier greift unsere Haltung am stärksten: Wo Authentizität selbst zur Botschaft wird, sind echte Bilder oft die einzig richtige Wahl.

Medizinische Genauigkeit als Sonderfall

Bei generischen Stockfotos ist es meist unkritisch, wenn Details „nicht ganz stimmen“. Bei anatomischen Darstellungen – Organen, OP-Abläufen, Medizinprodukten – kann ein KI-Bild dagegen schlicht fachlich falsch sein. Landet eine anatomisch fehlerhafte Organdarstellung ungeprüft in Patientenaufklärungsmaterial, wird aus einem Gestaltungsproblem schnell ein Fehlinformationsproblem mit Haftungsrelevanz.

Unsere Haltung bei Remy&Remy: Der Einsatz eines KI-generierten Bildes muss einen klar erkennbaren Nutzen für die Kommunikation mit Patient:innen oder Healthcare Professionals stiften – sei es durch bessere Verständlichkeit, größere Diversität in der Darstellung oder Zugänglichkeit für Zielgruppen und Situationen, die mit klassischen Fotoproduktionen kaum abbildbar wären. Ist dieser Mehrwert nicht gegeben, fährt zum Beispiel eine Klinik in der Regel besser mit echtem Bildmaterial realer Menschen und realer Situationen vor Ort. Denn Authentizität ist für uns ein zentraler Erfolgsfaktor in der Gesundheitskommunikation – und KI-Bilder sind ein Werkzeug, kein Selbstzweck.

Beispiel 2: Stilisierte medizinische Illustrationen – klar erkennbar als Grafik, ohne Echtheitsanspruch. Hier greift die Kennzeichnungspflicht nach aktuellem Stand in der Regel nicht.

Die Chance: KI als Werkzeug für gute Aufklärungsarbeit

Bei aller berechtigten Vorsicht lohnt der Blick auf das Positive: Richtig eingesetzt, ist generative KI ein starkes Werkzeug, um Patient:innen und Healthcare Professionals verständliche, anschauliche Bilder und Grafiken zur Verfügung zu stellen – von der Erklärgrafik zum Behandlungsablauf bis zur barrierearmen Illustration komplexer medizinischer Sachverhalte. Wo früher aufwändige Fotoproduktionen oder teure Illustrationsaufträge nötig waren, lässt sich heute schneller iterieren, in mehr Sprachen und Zielgruppenvarianten arbeiten und Bildsprache flexibler an unterschiedliche Kommunikationsanlässe anpassen.

Der entscheidende Faktor dabei ist nicht das Tool, sondern die Hand, die es führt: Ein gutes Ergebnis entsteht nur mit einem präzisen, fachlich fundierten Prompt. Genau hier liegt die eigentliche Kompetenz – und der Grund, warum dieser Prozess in die Hände von erfahrenen Healthcare-Designer:innen oder Healthcare Communication Manager:innen gehört. Nur wer medizinische Sachverhalte, Zielgruppenbedürfnisse und die feine Bildsprache der Gesundheitskommunikation versteht, kann eine KI so anleiten, dass am Ende ein Bild steht, das fachlich korrekt, empathisch und rechtlich sauber ist. Prompting wird damit selbst zur kommunikativen und fachlichen Disziplin – und zu einer Leistung, die sich von der reinen Tool-Bedienung deutlich abhebt.

Das Team von Remy&Remy ist offen und begeistert für diese dynamische, hochspannende Entwicklung – und bringt dabei gleichzeitig den gesunden Menschenverstand für authentische, menschliche und warme Kommunikation mit ein.

Sie planen ein Kommunikationsprojekt?

Sie möchten KI-generierte Bilder rechtssicher und wirkungsvoll in Ihre Healthcare-Kommunikation einbinden oder suchen Unterstützung bei Bildkonzepten, Illustrationen oder der passenden Bildsprache für Ihre Patient:innen und Zielgruppen? Sprechen Sie uns an – wir freuen uns auf den Austausch.

Simon Remy & Dr. Felix Remy
T: 0821 899967-20
E: info@remyremy.de